Das art forum berlin ist mit den üblichen Erfolgsmeldungen zu Ende gegangen. Jede Messe stellt am letzten Tag kurz vor Toresschluss fest, dass die Verkäufe gut und die Sammler glücklich waren und die Galeristen mit sattem Wohlbehagen nach Hause fahren. Dass die Verhältnisse in Rezessionszeiten schwieriger sind, ist nur zwischen den Zeilen der PR-Prosa formuliert, dürfte aber niemanden wundern.
Verwunderung herrscht allein darüber, wie klar, einfach und am Ende einleuchtend die Rezeptur war, mit der die neue Messeleitung dem art forum berlin einen Neustart verschafft haben. Man hatte es nicht mit Kosmetik versucht, sondern eine solide Standortanalyse vorgelegt und mit Reaslismus und Augenmaß umgesetzt. Statt sich allein auf die jüngeren Zeitgenossen zu konzentrieren, wurden auch klassischere Perioden des 20. Jahrhunderts zugelassen. Statt Sammler einzufliegen wurde das Angebot auf die existierenden Besucherschichten zugeschnitten. Was manche als “Klein-Basel” verspotten, wurde zu einem bodenständigen, Schritt für Schritt ausbaubaren Marktplatz umdefiniert. Schon nach den ersten Stunden war es da keine Überraschung mehr, dass positive Verkaufssignale an den Ständen zu vernehmen waren. Fast unisono lobten die Galeristen die Messe auch als ausgesprochen gewinnbringende Kommunikationsbörse für den Kontakt mit Sammlern und vor allem Institutionen.
Fazit: Nicht alle Umsatzerwartungen haben sich erfüllt, aber man sah zufriedene Gesichter in Berlin. Die Direktion des art forum berlin hatte das Talent zu einer angemesseneren Rhetorik und sie hatte den Mut, in der Rangfolge der internationalen Messen einen verständlichen, publikumsgerechten Platz für das inzwischen traditionsreiche Berliner Projekt zu suchen. Nun müssten noch die Berliner Galerien ihr abc-Projekt auf einen sinnvollen Weg zurückführen und aus dem Spielzeugland unausgereifter Ideen einen Unlimited-Space zwischen den eigenen Schauräumen und der Messe machen. Der Link zwischen ortsansässigen Galerien, lokaler Produktions-Szene und Messe ist ausbaubar. Der Neuanfang macht auch dafür Mut. GG