artnet Magazin, Berlin

  1. 27. Sep. 2009, 18:20

    Blick auf den Stand der Galerie Kicken auf dem art forum berlin

    Auch Messen mit einem Hang zur Accrochage haben ihre kleinen, konzeptuellen Wunder zu vermelden. Und manchmal ist der Versuch, die eigene Galeriegeschichte und das eigene Programm zu demonstrieren bereits das Wunder selbst. Die Berliner Galerie Kicken, seit 1974 im Geschäft, präsentierte sich auf dem art forum berlin als Bastion der Fotografiegeschichte. Der Stand war kein Stand, sondern ein nach außen abgeschlossenes Labyrinth fotografischer Epochen und Haltungen. Vom verzweifelten politischen Aufschrei, der nackten Geste des Protests in der Gestalt dokumentarischer Kriegsfotografien, der wie aus einer anderen, realeren Welt auf die Messe gekommen war, bis zum nüchtern, klaren Konstruktivismus zeigte Kicken die Facetten der Fotografie im 20. Jahrhundert. Der Stand war ein Museum. oder vielmehr ein Kompendium. Ein Studiensaal auf engstem Raum, in dem wie bei einem Dominospiel Bild für Bild vermessen wurde, was Form und Inhalt verbindet und was sich bei aller Ähnlichkeit fremd gegenübersteht. Das Publikum wurde aus dem Messetrubel gerissen und in ein Kabinett gesogen, in dem Formentscheidungen auch ethische Entscheidungen bedeuten. Wie radikal ernst es die Form mit den Umstände und Ideen meinen kann, wurde hier wie in einem Lehrstück demonstriert. Die Galeristen hätten dafür einen eigenen Preis verdient. GG

    GALERIE KICKEN, HALLE 18, STAND 115

    Blick in den Stand der Galerie Kicken
    Foto: Stefan Kobel