
Moderne Kunst, ist, wenn man das Bild, mit dem man das hässliche Loch in der Wohnzimmertapete verdecken wollte, lieber doch nicht aufhängt. So jedenfalls soll sich Salvador Dalí in einem böswilligen Moment geäußert haben, auch wenn wir das heute längst besser wissen. Denn natürlich dürfen Kunst und Raumverschönerung zwei ganz verschiedene Dinge sein. Allerdings verlieren wir dabei manchmal aus den Augen, dass Schönheit sehr wohl ein interessantes Thema ist. Nicht als generelle Funktion von Kunst, aber als Aspekt der Wirkung. Die Quadratur des Kreises ist dann erreicht, wenn Kunst ganz aus freien Stücken ‚funktionieren’ will. Wenn sie das Dekorative selbst zum Thema macht. Der dänische Künstler Poul Gernes etwa (1925-1993) wagte zeitlebens das Kunststück, Funktionalität und Kunst, ästhetisches Ideal und lebenspraktisches Experiment zusammen zu zwingen. Sein ausuferndes Werk zwischen Pop Art und Performance, Fluxus und Minimal, Wikingerromantik und Avantgarde-Anspruch verästelt sich in die verschiedensten Methoden und Praktiken. Selbst noch in seinen abstrakt-minimalen Malereien wird der Anspruch erkennbar, die Kunst ins Leben zu tragen. Dafür ist das Dekorative willkommenes Mittel zum Zweck. Das Einzelbild verschwimmt im installativen Muster zur ästhetisch-funktional entzauberten Verschiebeware. Und dennoch artikuliert sich gerade darin der revolutionär-idealistische Anspruch dieses Ausnahmekünstlers. Zu sehen ist das Ensemble unbetitelter Bildtafeln (alle 1965) bei Bo Bjerggaard. HJH
GALLERLI BO BJERGGAARD, HALLE 18, STAND 107
Abbildung:
Eine Wandarbeit von Poul Gernes bei Bo Bjerggaard, Kopenhagen